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Trotz Steuersenkung auf Sprit

Tankrabatt: Die ersten Junitage könnten zur Nervenprobe für Autofahrer werden

Ein Kunde einer Tankstelle füllt sein Auto mit Diesel­kraftstoff (Archivbild).

Die ersten Junitage könnten für Tankstellen und ihre Kundinnen und Kunden zur Nervenprobe werden. Wenn die Steuersenkung auf Sprit in Kraft tritt, rechnet die Branche mit großem Kundenandrang. Gleichzeitig dürften die Vorräte der Spritstationen aber klein sein, sagte Energie­experte Kai Eckert dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Das könnte nicht nur zu langen Schlangen, sondern auch zu Enttäuschungen an der Kasse führen: „Es könnte sein, dass der Preiseffekt anfangs nicht so zu sehen ist“, sagt der Chefredakteur des Energie-Informations­dienstes (EID).

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Nach Einschätzung des ADAC werden viele Autofahrerinnen und Autofahrer möglichst nicht mehr im Mai tanken, sondern auf günstigere Preise am 1. Juni warten. Auch beim Branchenverband Fuels und Energie (en2x) in Hamburg, der die großen Tankstellen­marken vertritt, vermutet man, dass in den nächsten Tagen „völlig verständlich weniger getankt wird und Anfang Juni die Nachfrage deutlich steigt“.

Dann tritt nämlich eine Steuersenkung in Kraft, die der Bundesrat als Teil des Entlastungs­pakets am Freitag beschlossen hat: Für drei Monate fällt die Energiesteuer von knapp 30 Cent pro Liter Benzin und gut 14 Cent pro Liter Diesel weg. Das schlägt auch auf die Mehrwertsteuer durch, sodass die Belastung pro Liter Benzin um 35,2 Cent und pro Liter Diesel um 16,7 Cent sinkt – unterm Strich wird Benzin dann wieder billiger sein als Diesel. Am Tag vor dem russischen Angriff hatte Superbenzin der Sorte E10 im bundesweiten Durchschnitt 1,75 Euro pro Liter gekostet, am Freitag waren es rund 2,10 Euro.

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„Es gibt einfach keine Erfahrung mit so etwas“, sagt ein Fuels-und-Energie-Sprecher. Die Anbieter bereiteten sich seit Wochen vor, aber Engpässe an den Tankstellen seien in Einzelfällen nicht auszuschließen. „Die Nachfrage wird enorm sein“, sagt Eckert. „Schlangen und ungewohnte Wartezeiten sollten daher zu Stoßzeiten einkalkuliert werden“, heißt es beim ADAC. „Eine hohe Nachfrage der Autofahrer wird auf ein niedriges Angebot stoßen“, warnte der Vorsitzende des Bundesverbands Freier Tankstellen, Duraid El Obeid, in der „Rheinischen Post“.

Auch das knappe Angebot hat mit der Steuersenkung zu tun. Die Energiesteuer gilt nämlich ab Raffinerie – Tankstellen müssen sie bei ihrer Bestellung noch bis Ende des Monats zahlen. Wer sich also Vorräte sichert, zahlt Steuern, die er beim Verkauf vom 1. Juni an nicht mehr an seine Kundinnen und Kunden weitergeben kann. „Wenn ich den Tank jetzt voll habe, bricht es mir dann das Genick“, sagt Eckert. Geballte Bestellungen um den Monatswechsel herum könnten wiederum zu Logistikproblemen führen.

Experte warnt vor dem Tanken am 1. Juni

Der EID-Experte warnt deshalb davor, am 1. Juni in der Hoffnung auf Niedrigpreise zur Tankstelle zu fahren. In den Zapfsäulen sei dann noch der teuer mit Steuer eingekaufte Sprit, heißt es auch beim Verband Fuels und Energie. Jeder Betreiber werde für sich entscheiden, ob er ihn entsprechend den Kundenerwartungen schon verbilligt verkauft – notfalls mit Verlust. Es sei „gut möglich“, dass stattdessen in der Übergangsphase die teuer eingekaufte Ware noch zu alten Preisen angeboten werde.

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„Man wird den Effekt der Steuersenkung nicht gleich am 1. Juni sehen“, sagt Kai Eckert. Nach seiner Einschätzung wird es ein bis zwei Wochen dauern, bis sie auf den Preisschildern ankommt. Das liege auch an den Markt­verhältnissen: Sollte tatsächlich starke Nachfrage auf knappes Angebot treffen, führe das zu höheren Preisen. Der Markt­mechanismus sei schließlich nicht außer Kraft gesetzt.

Der ADAC schickt deshalb bereits eine Mahnung an die Branche: „Ich fordere die Mineralöl­konzerne auf, die Spielräume für Entlastungen voll auszuschöpfen und an die Verbraucher weiterzugeben“, sagt dessen Präsidiums­mitglied Gerhard Hillebrand. Er hat allerdings auch einen Rat für Autofahrerinnen und Autofahrer: „Durch eine sparsamere Fahrweise und den Verzicht auf Kurzstrecken kann der Kraftstoffverbrauch um bis zu 20 Prozent gedrosselt werden.“

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