Tesla-Chef unterbreitet Kaufangebot

Was hat Elon Musk mit Twitter vor?

Elon Musk bei der Eröffnung der Tesla-Gigafactory in Grünheide in Brandeburg

Frankfurt am Main. Elon Musk fasst sich in der Twitter-Nachricht denkbar kurz: „I made an offer“ – ich habe ein Angebot gemacht. Und zwar eins, mit dem er Twitter komplett übernehmen will.

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Der Chef des Elektroautobauers Tesla und der Raumfahrtfirma SpaceX bietet 54,20 Dollar pro Aktie in bar. Das ist ein Aufschlag auf den Börsenkurs des Kurznachrichtendienstes von gut 50 Prozent zum Kurs vom 28. Januar. Das Unternehmen wird dadurch mit 43 Milliarden Dollar bewertet. Die Twitter-Aktien schossen bei Bekanntwerden der Offerte im vorbörslichen Handel in den USA augenblicklich in die Höhe.

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Der 28. Januar ist deshalb ein wichtiges Datum, weil das der letzte Börsenhandelstag war, bevor Musk begann, Twitter-Aktien zu kaufen. Der Multimilliardär hält bereits 9,2 Prozent der Anteile an dem US-Unternehmen.

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Dem Tweet, den Musk am Donnerstagmittag verschickte, ist ein Link angehängt, der zum offiziellen Dokument der US-Börsenaufsicht SEC für die Offerte führt. Die Nachricht löste ein wahres Gewitter an Reaktionen aus. Binnen einer Stunde kamen rund neun Millionen Kommentare zusammen. Kein Wunder, ist Musk doch mit rund 81 Millionen Followern einer der wichtigsten Nutzer des Netzwerks, das er nun kaufen will.

Musk: Twitters Potenziale entfalten

Musk ließ wissen, dass er den Mikrobloggingdienst von der Börse nehmen will. Nur so könne Twitter als eine Plattform für freie Rede seine außergewöhnlichen Potenziale entfalten, was er nun umsetzen wolle. Die Offerte sei das „beste und finale“ Angebot. Experten rätselten am Donnerstag, worauf diese Ansagen hinauslaufen könnten.

Twitter hat es bislang nicht geschafft, an andere soziale Netzwerke wie Facebook heranzureichen. Dessen Mutter Meta wird an der Börse mit rund 580 Milliarden Dollar bewertet, während Twitter aktuell auf lediglich auf 37 Milliarden Dollar kommt. Das größte Problem ist die fehlende Profitabilität. 2020 und 2021 hat das Unternehmen enorme Verluste eingefahren. Im November musste Firmengründer Jack Dorsey wegen fortgesetzter Erfolgslosigkeit an der Konzernspitze weichen. Parag Agrawal übernahm den Posten des Vorstandschefs.

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Musk ist mit seinem 9,2-Prozent-Anteil bereits der größte Einzelaktionär der Internetplattform. Aufgrund der Beteiligung hätte ihm ein Sitz im Führungs- und Aufsichtsgremium Board of Directors zugestanden. Er erklärte zunächst, dass er ein passiver Aktionär bleiben wolle. Dann schien er doch nicht abgeneigt. Aber auch diese Entscheidung revidierte er schon Ende voriger Woche – ohne Angabe von Gründen.

Das war der Zeitpunkt, als erste Übernahmespekulationen die Runde machten. Denn als Boardmitglied wäre er verpflichtet, allzeit „im besten Interesse“ der Twitter-Aktionäre zu handeln, was eine Übernahme auf eigene Faust ausschließt. Ohne den Sitz in dem Gremium kann er so viele Aktien, wie er will, kaufen.

Der gebürtige Südafrikaner kann sich die Übernahme leisten. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg schätzt sein Vermögen auf rund 260 Milliarden Dollar, er gilt als reichster Mensch der Welt. Die größten Batzen sind seine Beteiligungen an Tesla und an SpaceX.

Nachdem Musk sich als Twitter-Aktionär geoutet hatte, startete er über seinen Twitter-Account eine Reihe von Nutzerumfragen. Es ging unter anderem um die Einführung eines Edit-Buttons, also eine Funktion, mit der schon verschickte Mitteilungen noch einmal redigiert werden können – was schon lange diskutiert wird. Er stellte die Frage, ob Twitter bereits tot ist. Und er machte den Vorschlag, das Hauptquartier des Unternehmens in eine Obdachlosenunterkunft umzuwandeln. Zuletzt schlug er vor, beim Premiumbezahldienst Twitter Blue die Gebühren zu senken und die Werbung abzuschaffen.

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In einen am Donnerstag verschickten Brief an die Mitglieder des Boards erläuterte Musk, dass Twitter im aktuellen Zustand weder als Unternehmen gedeihen noch seine gesellschaftlichen Aufgaben erfüllen könne. Wenn die Offerte nun abgelehnt werde, müsse er seine Position als Aktionär überdenken.

Musk steht viel Überzeugungsarbeit bevor

Das soll offenbar Druck auf andere Aktionäre erzeugen. Denn Experten gehen davon aus, dass eine Übernahme kein Spaziergang wird. Zu den Großaktionären zählt eine Reihe von Finanzinvestoren, die bis zu 8 Prozent der Anteile halten. Musk muss also mehrere Manager davon überzeugen, ihre Dividendenpapiere abzustoßen, wobei er es mit Akteuren zu tun bekommt, die ganz bestimmt ziemlich hart verhandeln werden.

Die 54,20 Dollar pro Aktie seien aber zu wenig, um von den Aktionären und vom Board akzeptiert zu werden, sagte der Anlageexperte Adam Crisafulli in einer ersten Reaktion gegenüber Bloomberg. Schließlich sei das Papier vor weniger als einem Jahr noch 70 Dollar wert gewesen. Auf Twitter schob er die Frage nach, ob Musk womöglich das „finale und beste Angebot“ nur mache, um letztlich seinen Ausstieg bei Twitter einzuleiten. Laut Bloomberg herrscht indes in der Belegschaft große Aufregung: Es werde befürchtet, dass die Offerte nur der Beginn schwerer Verwerfungen sein könnte, da es keinen Gründer gebe, der wie bei anderen Internetfirmen die Kontrolle habe. Unter anderem wird von Beschäftigen offenbar vermutet, dass Großaktionäre sich heftig und dauerhaft in die Haare kriegen könnten.

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Und allein schon der Angebotspreis macht Beobachter stutzig. Da steckt die Zahl 420 drin, die in den USA als Code für Marihuana verwendet wird – Musk ist bekennender Konsument der Droge.

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