„Frohes Neues“ nicht für alle? Wann andere Kulturen und Religionen Neujahr feiern

Das neue Jahr 2022 steht unmittelbar bevor – aber nicht in China. Und nach dem jüdischen Kalender ist das Jahr längst Geschichte.

„Drei, zwei, eins: Frohes neues Jahr!“ Die Böller zischen und knallen, die Menschen umarmen sich und der Sekt wird eingegossen – das neue Jahr beginnt, wenn auch in Pandemiezeiten vielerorts etwas unaufgeregter. Aber nicht in allen Kulturen und Religionen wird das neue Jahr auch am 1. Januar eingeläutet. Das Neujahrsfest wird weltweit unterschiedlich gefeiert.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das orthodoxe Neujahr: 14. Januar

Orthodoxe Christen feiern das neue Jahr ebenfalls am 1. Januar. Allerdings entspricht dieses nicht der uns bekannten Zeitrechnung des gregorianischen Kalenders. Teile des orthodoxen Christentums, dazu zählt russisch- und auch serbisch-orthodox, feiern nach dem julianischen Kalender. Dieser weicht 13 Tage von dem gregorianischen ab. Somit fällt Weihnachten beispielsweise erst auf den 7. Januar und Neujahr auf den 14. Januar.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der julianische Kalender gilt als Vorgänger des heute international gültigen gregorianischen Kalenders. Eingeführt von Julius Caesar 45 v. Chr. löste er den damaligen römischen Kalender ab.

Das chinesische Neujahr: 1. Februar

In China wird das neue Jahr eine ganze Woche lang gefeiert. Das Neujahrsfest, auch Frühlingsfest oder Mond-Neujahr bezeichnet, ist das wichtigste traditionelle Fest der Chinesinnen und Chinesen. Das Datum variiert allerdings jedes Jahr: 2021 wurde es am 12. Februar und davor am 25. Januar gefeiert. 2022 fällt es auf den 1. Februar. Gefeiert wird somit sieben Tage lang vom 31. Januar bis zum 6. Februar. In der Zeit haben die meisten dann tatsächlich auch frei.

Am 12. Februar 2021 feierten Milliarden Menschen auf der ganzen Welt das chinesische Neujahr, ein Datum, das sich nach dem chinesischen Mondkalender berechnet. 2021 war das Jahr des Büffels.

Am 12. Februar 2021 feierten Milliarden Menschen auf der ganzen Welt das chinesische Neujahr, ein Datum, das sich nach dem chinesischen Mondkalender berechnet. 2021 war das Jahr des Büffels.

Der chinesische Lunisolarkalender, umgangssprachlich auch Bauernkalender, folgt zwei verschiedenen Systemen: Sowohl dem Sonnen- als auch dem Mondkalender. Der Sonnenkalender richtet sich nach dem Zeitraum, den die Erde braucht, um die Sonne einmal zu umrunden. Der Mondkalender hingegen orientiert sich an den Phasen und Zyklen des Mondes. Ein Monat beginnt mit dem Neumond und dauert dann etwa 29 bis 30 Tage. Dadurch ist das Jahr im Mondkalender nicht 365 Tage, sondern lediglich etwa 354 Tage lang. Alle paar Jahre wird ein zusätzlicher Schaltmonat hinzugefügt, um ihn an die Länge eines Sonnenjahres periodisch anzugleichen. Dadurch fällt das Neujahrsfest immer in die gleiche Jahreszeit: frühestens am 21. Januar und spätestens am 20. Februar.

Außerdem ist jedes chinesische Jahr einem Tierzeichen des chinesischen Tierkreises gewidmet, darunter die Ratte, die Schlange oder der Hase. 2022 wird demnach das Jahr des Tigers.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das islamische Neujahr: 30. Juli

Im Islam ist das islamische Neujahr ebenfalls sehr wichtig. Denn an diesem Tag im Jahre 622 n. Chr. soll der Prophet Mohammed nach muslimischer Überlieferung mit seinen Anhängern von Mekka nach Medina ausgewandert sein, um dort die erste muslimische Gemeinschaft zu errichten. Dieses Auswanderung, die auch Hidschra genannt wird, ist für Muslimas und Muslime so bedeutsam, dass es als Beginn der islamischen Zeitrechnung betrachtet wird. Das genaue Neujahrs-Datum ist jedoch von Jahr zu Jahr verschieden.

Denn auch der islamische Kalender richtet sich nach dem Mond. Dadurch ist das Jahr im Islam – wie auch in China – elf Tage kürzer, beziehungsweise zehn Tage in Schaltjahren, als der gregorianische Kalender. 2022 fällt der Jahresanfang auf den 30. Juli, der 1. Muharram oder Muharrem (erster Monat des Jahres). Eingeläutet wird dann nach islamischer Zeitrechnung in das Jahr 1444. Begonnen wird allerdings nicht um Mitternacht, sondern schon beim Sonnenuntergang. Daher feiern Muslima und Muslime den Neujahrsanfang zwei Tage lang. Als wirkliche Feierlichkeit wird dieser Tag jedoch nicht gesehen: Das islamische Neujahr gilt als Gedenktag Mohammeds.

Das jüdische Neujahr: 2021 der 7. September

Auch die Juden feiern das neue Jahr zwei Tage lang – am 1. und 2. Tischri. Das Neujahrsfest Rosch Haschana, zu Deutsch „Kopf des Jahres“, ist ein ernstes Fest. Es ist Teil der zehn Tage der Einkehr, die mit dem wichtigsten jüdischen Feiertag Jom Kippur enden. Neujahr soll dazu dienen, in sich zu gehen und gut zu handeln. An Rosch Haschana legt der Mensch Rechenschaft über sein Tun ab.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Man wünscht sich gegenseitig ein „süßes Jahr“ und symbolisiert das unter anderem durch Äpfel, die in Honig getaucht werden. Zudem wird auf einem Schofar (Widderhorn) geblasen, das eine Posaune symbolisiert. Die Töne sollen den Menschen an seine moralischen Pflichten erinnern.

Die Verballhornung des jiddischen Neujahrswunsches „A gitten Rosch“, einen guten Rosch, soll Ursprung des heute noch populären Neujahrswunsches „guten Rutsch“ sein.

Der jüdische Kalender läutet am kommenden 26. September nicht das Jahr 2022, sondern nach jüdischer Zeitrechnung das Jahr 5783 ein. Denn die jüdische Jahreszählung richtet sich nach der Schöpfung der Welt, die nach Überlieferung in das Jahr 3761 vor unserer Zeitrechnung fällt. Der jüdische Kalender richtet sich sowohl nach der Sonne als auch dem Mond. Demnach dauert ein gewöhnliches Jahr zwölf Monate mit insgesamt etwa 354 Tagen. Allerdings ist der weltweit dominierende gregorianische Kalender als Alltagskalender auch im Judentum üblich.

Trotz unterschiedlicher Jahresbeginne und Zeitrechnungen: Mit der Orientierung an Mond und Sonne haben alle Kalender etwas gemeinsam.

Mehr aus Wissen

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.