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Alarmierender WMO-Bericht

1,5 Grad bis 2026 überschritten? Sechs Antworten zur Klimawandelprognose

Die globale Durchschnittstemperatur könnte in den nächsten fünf Jahren um mehr als 1,5 Grad steigen.

Sieben Jahre ist es her, dass sich Regierende bei der Weltklimakonferenz 2015 auf das Pariser Abkommen geeinigt haben. Sie vereinbarten, die Erderwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen. Dafür sollten die menschengemachten Treibhausgasemissionen so stark reduziert werden, dass bis spätestens Mitte des Jahrhunderts die Nettonull erreicht wird. Allerdings wird dieses Ziel immer weniger wahrscheinlich. Die Welt erwärmt sich rasanter als angenommen, wie neue Daten der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zeigen. Sechs Fragen und Antworten:

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Was zeigt die WMO-Prognose konkret?

Die globale Durchschnittstemperatur eines Jahres könnte der WMO zufolge bis 2026 erstmals mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850 bis 1900) liegen. So liege die Wahrscheinlichkeit, dass im Fünf-Jahres-Zeitraum 2022 bis 2026 mindestens ein Jahr eine Temperatur von über 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erreiche, bei fast 50 Prozent, heißt es in einer Pressemitteilung. 2015, beim Pariser Klimaabkommen, galt es noch als praktisch ausgeschlossen, dass die Marke von 1,5 Grad innerhalb von fünf Jahren erreicht wird.

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Weltwetterorganisation prognostiziert 1,5-Grad-Erhöhung früher als erwartet

Eines der Ziele beim Klimaschutz ist, die Erderwärmung auf höchstens 1,5 Grad zu begrenzen – doch neue Prognosen lassen an dem Ziel zweifeln.

Welche globale Durchschnittstemperatur wird schon jetzt gemessen?

2021 lag die globale Durchschnittstemperatur 1,1 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau (1850 bis 1900), wie vorläufige Daten der WMO zeigen. Weltweit gesehen war das heißeste Jahr bislang 2016 – mit einer globalen Durchschnittstemperatur von rund 1,2 Grad über dem Niveau von damals. Und es wird wohl in naher Zukunft noch deutlich wärmer: Die Wahrscheinlichkeit liege bei 93 Prozent, dass mindestens ein Jahr in der Zeit bis 2026 das wärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen werde, so die WMO.

Ist der Kampf gegen den Klimawandel schon verloren?

Der WMO-Bericht ist keine Absage an die Ziele der Weltklimakonferenz. Im Gegenteil: Klimaforschende weltweit drängen darauf, dass mehr für den Klimaschutz getan werden sollte, um die Erwärmung noch so weit wie möglich zu stoppen. Die aktuellen WMO-Daten zeigen zudem nicht, dass die 1,5-Grad-Marke auf jeden Fall dauerhaft überschritten wird. In den Folgejahren könne der Wert auch wieder niedriger liegen, heißt es in der Mitteilung.

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Im Schnitt zeigt sich aber schon länger ein klarer Trend: In den kommenden Jahren steigen die Temperaturen global weiter an. Die Chancen werden also immer geringer, die 1,5 Grad auf lange Sicht zu halten – also bis zum Ende des Jahrhunderts. „Ein einziges Jahr der Überschreitung von über 1,5 Grad Celsius bedeutet nicht, dass wir die ikonische Schwelle des Pariser Abkommens überschritten haben, aber es zeigt, dass wir einer Situation immer näher kommen, in der 1,5 Grad Celsius für einen längeren Zeitraum überschritten werden könnten“, wird WMO-Studienleiter Leon Hermanson zitiert.

Die WMO-Daten decken sich mit den Klimamodellierungen des Weltklimarats (IPCC). Demnach gilt es als wahrscheinlich, dass eine globale Erwärmung von 1,5 und zwei Grad Celsius im Laufe des 21. Jahrhunderts überschritten wird. Es gibt aber noch Spielraum. Dafür müssten ab jetzt und in den kommenden Jahrzehnten drastische Reduktionen der CO₂- und anderer Treib­haus­gas­emissionen gelingen.

Wie überraschend und alarmierend ist die WMO-Prognose?

Klimaforschende halten den neuen Bericht der Weltwetterorganisation (WMO) über die beschleunigte Erderwärmung für wenig überraschend, aber dennoch alarmierend. „Dass wir schon jetzt ein 50/50-Risiko haben, binnen fünf Jahren ein Jahr mit 1,5 Grad Celsius zu erleben, bestätigt unsere schlimmsten Erwartungen“, sagt etwa Johan Rockström, Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Wir können noch immer einen sicheren Handlungsraum für die Menschheit auf der Erde erhalten.

Johan Rockström,

Klimaforscher

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Er sprach von einer „deutlichen Mahnung“ vor allem an Politik und Wirtschaft und dass die „globale Klimakrise“ eine „sofortige und tiefgreifende Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen“ erfordere. „Tun wir das nicht, werden wir die planetaren Grenzen überschreiten und das Leben unserer Kinder und aller künftigen Generationen gefährden.“ Noch sei es nicht zu spät. „Wir können noch immer einen sicheren Handlungsraum für die Menschheit auf der Erde erhalten.“

Um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels in den kommenden Jahrzehnten zu vermeiden, müssen die menschengemachten Treibhausgasemissionen bereits bis 2030 um fast die Hälfte reduziert werden. Das betont der Weltklimarat. Global gesehen ist der Ausstoß von Treibhausgasemissionen aber momentan noch viel zu hoch. Seit dem Pariser Klimaabkommen sind sie weiter gestiegen: von 35,21 Gigatonnen 2015 auf 36,44 Gigatonnen im Jahr 2019 – ein Anstieg von etwa 3,5 Prozent. Seit 1992, dem ersten Weltklimagipfel, sind sie um über 60 Prozent gestiegen.

Wo macht sich der Temperaturanstieg besonders stark bemerkbar?

Bei einer Erwärmung von mehr als 1,5 Grad Celsius nimmt das Risiko von Klimaextremen weiter zu, wie der Weltklimarat festhält. Es finden häufiger und intensiver Extrem­wetter­ereignisse statt. Dazu zählen Hitzewellen, Starkregen, Dürren, heftige tropische Wirbel­stürme, Rück­gänge des arktischen Meereises, von Schnee­bedeckung und Permafrost.

Die WMO-Analyse bestätigt diesen Trend. So wird die Erwärmung in der Arktis voraussichtlich mehr als dreimal so stark sein wie der weltweite Durchschnitt. Trockener als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 wird es wahrscheinlich in Südwesteuropa, im Amazonas und Südwestnordamerika – feuchter hingegen in Nordeuropa, der Sahelzone, Nordostbrasilien, Alaska und Australien sowie auf trockenere Bedingungen über dem Amazonas hin. Es wird wahrscheinlich mehr Regen in den Tropen, weniger in den Subtropen geben.

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Je wärmer die Durchschnittstemperatur wird, umso wahrscheinlicher werden auch irreversible Kipppunkte im Klimawandel erreicht. Sind diese erst einmal überschritten, gibt es kein Zurück mehr in den ursprünglichen Zustand. Eisfreie Arktis, schmelzende Gletscher, abtauender Permafrost, schwindender Wald, absterbende Korallenriffe, instabiler Golfstrom – all das zählt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) dazu.

Mehr als 1,5 Grad Erwärmung: Welche Folgen hat das für Europa?

Die Auswirkungen des Klimawandels äußern sich in jeder Region der Welt unterschiedlich. Europa erwärmt sich beispielsweise schneller als der globale Durchschnitt. Der sechste Bericht des Weltklimarats identifiziert für den Kontinent vier Hauptrisiken: Hitze, Dürre, Wasserknappheit und Überschwemmungen beziehungsweise ein steigender Meeresspiegel. Schon heute seien die Folgen von Hitzewellen und Dürren häufiger geworden.

Generell gilt: Die Auswirkungen werden dramatisch stärker werden, wenn die 1,5 Grad globale Erwärmung überstiegen wird. Die Zahl der Todesfälle und Menschen, die durch Hitzestress gefährdet sind, steigt bei einer Erderwärmung um drei Grad im Vergleich zu 1,5 Grad beispielsweise auf das Zwei- bis Dreifache. Die Forschenden gehen auch davon aus, dass der Großteil Europas sich auf „erhebliche Verluste in der landwirtschaftlichen Produktion“ einstellen muss. Schon bei einer Erderwärmung von zwei Grad werde mehr als ein Drittel der Bevölkerung in Südeuropa Wasserknappheit ausgesetzt sein.

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Mit Material von dpa

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