Fragen und Antworten auf einen Blick

West-Nil-Virus: Wie gefährlich ist es für den Menschen?

Stechmücken gelten als potenzielle Überträger des West-Nil-Virus.

Stechmücken gelten als potenzielle Überträger des West-Nil-Virus.

Es surrt in der Luft. Winzige, für das bloße Auge kaum erkennbare und gefürchtete Plagegeister sind wieder im Freien unterwegs: Mücken. Stechen sie zu, ist das nicht nur wegen des Juckreizes nervig. Unter Umständen können Stechmücken nämlich auch gefährliche Krankheitserreger übertragen. Unter anderem das West-Nil-Virus (WNV), das beim Menschen das West-Nil-Fieber verursachen kann.

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Allzu lange kursiert dieser Erreger in Deutschland noch nicht. Das Robert Koch-Institut (RKI) ist aber überzeugt: Das Infektionsrisiko wird in den kommenden Jahren weiter steigen. „Es ist damit zu rechnen, dass sich WNV in Deutschland weiter etabliert“, schreibt die Behörde auf ihrer Internetseite. Vor allem in den schon betroffenen Gebieten werde das Virus zukünftig zu wiederkehrenden, saisonale Erkrankungsfällen führen. Eine Ausweitung der betroffenen Region von Jahr zu Jahr sei insbesondere in wärmeren Sommern möglich, hieß es kürzlich im „Epidemiologischen Bulletin“ des RKI.

Wie kam das West-Nil-Virus überhaupt nach Deutschland?

Das West-Nil-Fieber ist eine durch das Virus ausgelöste, in verschiedenen Regionen der Welt endemisch vorkommende Zoonose. Also eine Krankheit, die zwischen Tieren und Menschen übertragbar ist. Ist ein Erreger endemisch, bedeutet das, dass ein größerer Teil der Bevölkerung in einer bestimmten Region regelmäßig an ihm erkrankt.

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Alle Erdteile sind vom West-Nil-Virus betroffen, aber in unterschiedlichem Ausmaß. Das Virus ist inzwischen in Afrika, Israel, der Westtürkei, dem Mittleren Osten, Indien, Teilen Südostasiens und auch in Nord- und Teilen Mittelamerikas verbreitet. Aus den Tropen gelangte das Virus durch Zugvögel auch in Gebiete am Mittelmeer und Europa.

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Für Reisende gut zu wissen: In Südeuropa wird das West-Nil-Virus seit Langem saisonal im Sommer übertragen und kann auch vor Ort überwintern. Häufig betroffen sind Südfrankreich, Norditalien, Griechenland und weite Teile des Balkans, weiter nördlich auch Teile von Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Österreich. Auch die Türkei ist betroffen.

In Deutschland gibt es noch nicht so lange Nachweise auf den Erreger. Hierzulande wurde das West-Nil-Virus erstmals 2018 registriert, zuerst bei Vögeln und Pferden. 2019 wurden dann erstmals auch einige durch Mücken übertragene Erkrankungsfälle beim Menschen registriert. Für die Jahre 2020 und 2021 berichtet das RKI von „einzelnen Fällen“ im Osten der Bundesrepublik – aber auch von einem Todesfall.

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Was hat die Ausbreitung des Virus mit dem Klimawandel zu tun?

In Zukunft könnte sich das West-Nil-Virus weiter verbreiten. Grund dafür ist der Klimawandel. Genauer gesagt die steigenden Temperaturen, wodurch das Virus auch in Stechmücken überwintern kann. „Wir können im Labor nachweisen, dass sich Viren in Stechmücken schneller vermehren können, wenn die Temperaturen höher sind“, sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. „Da gibt es einen klaren kausalen Zusammenhang zur Klimaerwärmung.“

Im Zuge der Klimakrise könnten also in Deutschland ganz neue, saisonale Erkrankungswellen drohen. Das Paul-Ehrlich-Institut warnte schon im Jahr 2007 davor, dass sich das West-Nil-Fieber durch den Klimawandel als neue Infektionskrankheit etablieren könnte.

Wie wird das West-Nil-Virus übertragen?

Das West-Nil-Virus wird vor allem von Stechmücken zwischen wild lebenden Vögeln übertragen. An Vögeln infizierte Mücken können das Virus aber auch an Säugetiere wie Pferde und Menschen weitergeben. Oftmals dienen Häufungen toter Vögel und erkrankte Pferde als Auslöser dafür, die Fallsuche auch auf Menschen auszudehnen. Inzwischen ist auch bekannt, dass sich das Virus über Organtransplantationen, Bluttransfusionen sowie während der Schwangerschaft übertragen kann.

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Ausbrüche stehen erfahrungsgemäß im engen Zusammenhang mit günstigen Bedingungen für Stechmücken, hängen am lokalen Klima und kurzfristigen Wetterschwankungen. In Deutschland sind der Spätsommer und warme Temperaturen im Frühherbst bislang die risikoreichsten Zeiten, in Südeuropa werden laut RKI Übertragungen häufig bis in den November beobachtet.

Mückenarten aus tropischen und subtropischen Gebieten fühlen sich in Deutschland immer wohler. Fachleute des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung und des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) erfassen das Auftreten solcher Neuankömmlinge. „Wir haben seit 2007 fünf neue Stechmücken-Arten nachgewiesen, die sich in Deutschland angesiedelt haben“, sagt Helge Kampen vom Institut für Infektionsmedizin des FLI.

Neben zwei Arten, die nicht als Überträger von Erregern gelten, seien das die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) sowie die Japanische und Koreanische Buschmücke (Aedes japonicus und Aedes koreicus). „Die Japanische Buschmücke hat sich seit 2008 ganz massiv ausgebreitet“, sagte Kampen. „Sie kommt mittlerweile in fast ganz Süddeutschland weit verbreitet vor und dringt weiter nach Norden.“

Buschmücken können Krankheitserreger übertragen, wie Laboruntersuchungen zeigen. „Sie sind in der Natur aber noch nicht als Überträger aufgefallen“, erklärt Kampen. Die Asiatische Tigermücke hingegen sei ein effizienter Überträger vieler Viren – in Deutschland gebe es bisher noch keinen bekannten Fall.

Welche Symptome treten beim West-Nil-Fieber auf?

Die gute Nachricht ist: Nur ein kleiner Teil der Infizierten entwickelt nach einer Infektion mit dem West-Nil-Virus Symptome. Das RKI geht deshalb davon aus, dass einige Infektionen unerkannt bleiben.

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Die Behörde nimmt zudem an, dass rund 20 Prozent der Infizierten am West-Nil-Fieber leiden, ausgeprägt anhand von grippeähnlichen Symptomen. Diese dauern in der Regel zwischen drei und sechs Tagen an, heilen aber in der Regel komplikationslos aus. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis 14 Tagen beginnt die Krankheit in den meisten Fällen abrupt mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen. Bei etwa 50 Prozent der Erkrankten kommt es zu einem blassen, knoten-fleckigen Hautausschlag (Exanthem), der sich vom Körperstamm zum Kopf und zu den Gliedmaßen ausbreitet.

Dieses von den Centers for Disease Control zur Verfügung gestellte Foto zeigt eine elektronenmikroskopische Aufnahme des West-Nil-Virus.

Dieses von den Centers for Disease Control zur Verfügung gestellte Foto zeigt eine elektronenmikroskopische Aufnahme des West-Nil-Virus.

Schwere Verläufe sind hingegen selten und treten nur bei etwa einem von 100 Infizierten auf. Bei einem Teil dieser Betroffenen kommt es zu einer zumeist gutartigen Entzündung der Gehirn- und Rückenmarkshäute (Meningitis). In seltenen Fällen entwickelt sich eine Gehirnentzündung (Enzephalitis). Mögliche Symptome sind dann mentale Veränderungen, Muskelschwäche, schlaffe Lähmungen, Störungen der Bewegungsabläufe, Entzündungen des Sehnervs, des Nervensystems, epileptische Anfälle. Selten wurden Entzündungen des Herzens oder der Leber beobachtet. 5 bis 10 Prozent der schwer Erkrankten sterben – vor allem Ältere, Patientinnen und Patienten mit Immunsuppression oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Wie laufen Diagnose und Behandlung?

Ist ein Mensch akut mit dem West-Nil-Virus infiziert, muss das an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Nachgewiesen werden kann die Infektion mittels Blutuntersuchung im Labor. Es gibt keine spezifische antivirale Therapie gegen das West-Nil-Fieber. Treten Symptome auf, werden sie einzeln behandelt. Eine Isolation der Erkrankten ist laut RKI nicht nötig. Bei einem schweren Verlauf kann eine Behandlung im Krankenhaus nötig sein.

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Kann man sich mit einer Impfung vor dem West-Nil-Fieber schützen?

Eine Impfung gegen den Erreger gibt es bislang nicht. Personen, die aufgrund hohen Alters oder Immunschwäche ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben, können das Risiko durch Schutz vor Mückenstichen reduzieren. Sprich: langärmelige Hemden, Blusen und Hosen im Freien tragen, abends in Innenräume ausweichen, Insektizide und Mückenspray, Moskitonetze und Fenstergitter nutzen. Im Wohnumfeld sollten Mückenbrutplätze möglichst beseitigt werden.

RND/she/lb/dpa

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