Neue Plastikstudie: Verpackungen töten jährlich rund 570.000 Einsiedlerkrebse

Der angeschwemmte Plastikmüll ist eine Lebendfalle für Erdbeer-Einsiedlerkrebse.

Tasmanien. Es sind alarmierende Zahlen, die das Institut für Meeres- und Antarktisforschung (Imas) der Universität Tasmanien bei einer neuen Studie zum Thema Plastikmüll erhoben hat: Auf Henderson Island im Südpazifik und den Kokosinseln im Indischen Ozean sterben jährlich rund 570.000 Einsiedlerkrebse, weil sie in Kunststoffverpackungen eingeschlossen werden.

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Einsiedlerkrebse nutzen Plastikmüll als Behausung

Die Strände der beiden Inseln sind übersät mit Verpackungsmüll und gelten als stark verschmutzt. In vorherigen Studien hatten die Forscher auf Henderson Island rund 38 Millionen und auf den Kokosinseln rund 414 Millionen weggeworfene oder angeschwemmte Plastikfremdkörper gezählt.

Auf den Kokosinseln im Indischen Ozean fanden sich bei Untersuchungen rund 414 Millionen Plastikteile.

Auf den Kokosinseln im Indischen Ozean fanden sich bei Untersuchungen rund 414 Millionen Plastikteile.

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Dieser Müll kann sich vor allem für die dort lebenden Erdbeer-Einsiedlerkrebse (Coenobita perlatus) schnell zur Lebendfalle entwickeln, wie das tasmanische Institut in seiner Studie im „Journal of Hazardous Materials“ schreibt. Grund ist eine besondere Verhaltensweise der Tiere: Aufgrund ihres weichen, ungeschützten Hinterleibes sind sie stetig auf der Suche nach Muscheln oder anderen widerstandsfähigen Behausungen, die Angriffe von Fressfeinden abwehren.

Eine Kettenreaktion: Tote Artgenossen locken andere Artgenossen an

Die signifikante Einschlussrate kann sich negativ auf die Populationen der Einsiedlerkrebse auswirken.

Instituts für Meeres- und Antarktisforschung, Tasmanien

Auch Plastikverpackungen sind für die Einsiedlerkrebse willkommene Domizile. Einmal hineingeschlüpft, können sich die Tiere jedoch nur schwer wieder befreien – vor allem wenn die Öffnungen der Verpackungen nach oben zeigen. Im schlimmsten Fall verenden die Krebse in den Plastikfremdkörpern. Der austretende Verwesungsgeruch signalisiert den Artgenossen wiederum, dass eine Behausung frei geworden ist und lockt diese Tiere ebenfalls in die tödliche Plastikfalle. „Die signifikante Einschlussrate kann sich negativ auf die Populationen der Einsiedlerkrebse auswirken“, heißt es in der Studie des Imas weiter.

Ein Rückgang der Population hätte auch Auswirkungen auf das tropische Ökosystem. Denn wissenschaftliche Untersuchungen wie die von Erin Stewart Lindquist vom Meredith College in North Carolina sprechen Einsiedlerkrebsen eine entscheidende Rolle beim Wachstum und bei der Entwicklung von Wäldern zu, zum Beispiel durch das Ausheben von Erdhöhlen und der damit einhergehenden Belüftung der Böden, aber auch durch die Entfernung von Laub.

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