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UN-Weltklimarat warnt

Wassermangel und schlechte Ernten: Der Klimawandel bedroht auch die Landwirtschaft in Europa

Spanien, Almachar: Zwei Bauern ernten an einem Weinberg Trauben. (Archivbild)

La Herradura. Juan Camacho blickt hoffnungslos auf die verdorrten Blätter seiner Avocado-Bäume und ihre Früchte, die dieses Jahr kleiner sind als üblich. „Wir sind mit einer schlimmen Lage konfrontiert“, sagt der Obstbauer in der südspanischen Provinz Granada. Nicht weit von seiner Plantage befindet sich das größte Wasserreservoir der Region, aber nach zwei Monaten ohne einen Tropfen Regen bietet es nur noch 15 Prozent der normalen Kapazitäten. Und mindestens die Hälfte vom verbliebenen Rest ist nur schlammiges Wasser, völlig nutzlos, wie Camacho sagt.

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Wie ihm ergeht es vielen Bauern in Spanien. Weite Teile des Landes haben einen der bislang trockensten Winter erlebt, seit es entsprechende Aufzeichnungen gibt. Hat parallel zur industriellen Landwirtschaft auch die Bewässerungsinfrastruktur geboomt, können Staubecken und Entsalzungsanlagen die Nachfrage kaum noch befriedigen: Es droht zunehmend eine Wasserkrise.

UN-Weltklimarat schlägt Alarm

So hat nun auch der UN-Weltklimarat in einem Bericht Alarm geschlagen. Demnach sind schlechtere Ernten in Europa – und der Kampf um schwindende Wasserressourcen insbesondere in südlichen Teilen – Gefahren, die als Folge der sich fortsetzenden Erderwärmung auf den Kontinent zukommen.

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Auf Europa kämen Hitze und Überflutungen zusätzlich zu landwirtschaftlichen Verlusten und Wasserknappheit zu, warnt das Gremium von Topwissenschaftlerinnen und Topwissenschaftlern. Damit drohten verbreitet Störungen der Wirtschaft, wie es in dem Report formuliert wird. Die Energieversorgung werde leiden, der Bedarf an Klimaanlagen und Wasser immer stärker wachsen.

Der Rat zeichnet ein Bild von einem geteilten Kontinent: ein zunehmend trockener Süden, der es mit Wüstenbildung und Rivalitäten im Kampf um das rarere Wasser zu tun hat, und ein Norden, der ein traditionell mediterranes Klima annimmt, das teilweise bessere Ernten und Waldwachstum bescheren könnte – aber zugleich eigenen Gefahren birgt.

50 Prozent weniger Ertrag beim Mais

Hat sich die Erde im Zuge der Industrialisierung bereits um 1,1 Grad Celsius erwärmt, könnte ein weiterer Anstieg um 1,9 Grad bei den Maisernten zu 50-prozentigen Verlusten führen, besonders in Südeuropa, sagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Demgegenüber könnten die Weizenernten im Norden wachsen, so lange sich die Erde nicht um mehr als zwei Grad im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten erwärme – also um 0,9 Grad über die gegenwärtige Durchschnittstemperatur hinaus.

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Aber Letzteres ist kein Silberstreif am Horizont. Denn von einer kontinentalen Perspektive aus gesehen sind dem Bericht zufolge dank einer Kombination von Hitze und Dürre „im Laufe des 21. Jahrhunderts substanzielle Verluste bei der Agrarproduktion in den meisten europäischen Gebieten“ zu erwarten. Und diese Verluste würden nicht von Erntezuwächsen in Nordeuropa wettgemacht.

Kurzfristig gutes Klima für Gemüse

Der Anbau von Gemüse und einigen anderen Feldfrüchten, die sich für ein warmes Klima eigneten, könnte kurzfristig profitieren, sagte Rachel Licker von der US-Organisation Union of Concerned Scientists der Nachrichtenagentur AP. „Aber die größeren Getreidesorten, die größeren Rohstoffe, die größeren Anbauprodukte, die exportiert werden und wirklich die Basis für einen großen Teil der Wirtschaft bilden, werden wahrscheinlich negativ betroffen werden.“

Und es drohen Europa dem Bericht zufolge noch andere Gefahren. So wird vorausgesagt, dass sich die Schäden an den Küsten bis Ende des Jahrhunderts mindestens verzehnfachen werden – und, wenn bei der Erwärmung die Drei-Grad-Schwelle erreicht werde, könnten sich die Schadenskosten und die Anzahl der von Niederschlägen und Flussüberflutungen betroffenen Menschen verdoppeln. Für einige der Küstengemeinden würde das eine existenzielle Bedrohung bedeuten, warnt der Report.

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Private Teiche sind erschöpft

Joaquin Montes in Spanien könnte zu den größeren Verlierern zählen. Er ist einer von zehn Millionen Bauern in der EU, die 440 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher innerhalb und außerhalb der Gemeinschaft mit Nahrung versorgen. Er baut Zimtäpfel und Avocados an, und seine Plantagen zwischen der Costa del Sol und dem Sierra-Nevada-Gebirge in Südspanien müssten eigentlich genug Wasser haben. Aber seit Oktober hat es 41 Prozent weniger Niederschläge gegeben als durchschnittlich in allen Vergleichszeiträumen zwischen 1980 und 2010, und die Staubecken in der Region sind fast leer.

Auch private Teiche, die Bauern und Bäuerinnen eigentlich durch den kommenden Sommer hindurch versorgen sollten, sind erschöpft. „Wir Bauern sind es gewohnt, mit Dürre umzugehen“, sagt der 50-jährige Montes. „Aber Jahr für Jahr sehen wir immer weniger Regen. Ich fürchte um meinen Lebensunterhalt.“

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Umweltschützer halten Grundbesitzer und Großgrundbesitzerinnen, die von traditionellen Ernteerzeugnissen auf profitablere aber zugleich durstigere Produkte wie Avocados und Mangos umgestiegen sind, für die Spitze eines größeren Problems. Eine auf ein einzelnes Anbauerzeugnis konzentrierte Landwirtschaft im industriellen Umfang habe kleinere, traditionellere Bauern verdrängt. „Es ist ein Modell für schlechte Planung und völlig falsche Entwicklung“, sagt Geologe Julio Barea von Greenpeace. Denn industrieller Anbau erfordert verstärkt Bewässerungssysteme.

„Es wird katastrophal sein“

In Spanien ist dem Agrarministerium zufolge die intensiver Landwirtschaft mit Irrigation gewidmete anbaufähige Fläche in den vergangenen Jahrzehnten auf ein Viertel der Gesamtfläche gewachsen. Einst für mit Regen bewässerte Anbaupflanzen benutztes Terrain wurde übernommen. „Wir kommen so weit, dass wir kein Wasser haben“, sagt Barea. „Und es wird katastrophal sein. Wir müssen unsere Denkweise ändern.“

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Auch der Klimarat warnt, dass Bewässerung nur da möglich sei, wo es genügend Wasser gebe. Patrick Verkooijen vom Global Center on Adaption in Rotterdam pflichtet bei. Landwirtschaft und Nahrungssysteme müssten klimarobust werden, sagt der Experte. Das bedeute für viele, sich jetzt umzustellen – sonst sei es zu spät.

RND/AP

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