Den Klimawandel im Fokus

Wie politisch ist der Weltklimarat – und warum sind seine IPCC‑Berichte so wichtig?

In seinen Berichten zeigt der Weltklimarat auf, wie sich der Klimawandel auf den Menschen und seine Umwelt auswirkt und wie der Erderwärmung entgegengewirkt werden kann.

Wenn es um die Erderwärmung, Klimawandelfolgen und internationale Klimaschutzpolitik geht, gilt die Arbeit des Weltklimarats als eine der wichtigsten Grundlagen. Seine Berichte sind aber auch ein Gradmesser dafür, wie sich das Zeitfenster zum Handeln für Regierende mehr und mehr schließt – und bedrohliche Klimawandelszenarien immer wahrscheinlicher werden.

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Wie arbeitet der Weltklimarat, wie sicher sind seine Ergebnisse zum Klimawandel – und wie alarmierend sind seine jüngsten Berichte? Sechs Fragen und Antworten.

1. Wofür steht die Abkürzung IPCC?

IPCC ist die Abkürzung für das Intergovernmental Panel on Climate Change, auch bekannt als Weltklimarat. Es handelt sich dabei um eine Institution der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel zusammenträgt und bewertet. Sie führt also keine eigenen Forschungsarbeiten durch, sondern fasst die veröffentlichten und von Fachleuten überprüften Studien zusammen, um das daraus gewonnene Wissen anschließend kompakt in einzelnen Sachstands- und Sonderberichten zu präsentieren.

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Der Weltklimarat, gegründet 1988 von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), ist heutzutage eine wichtige wissenschaftliche Informationsquelle für politische Entscheidungsträger. Die Berichte sind „relevant für Politik, empfehlen aber keine bestimmte Politik“, betont der IPCC. Bestimmte Handlungen und Maßnahmen für Regierende gibt der Weltklimarat also nicht vor.

In seinen Berichten zeigt der Weltklimarat auf, wie sich der Klimawandel auf den Menschen und seine Umwelt auswirkt und wie der Erderwärmung entgegengewirkt werden kann. Die vom IPCC zur Verfügung gestellten Informationen bilden die Grundlage für Leitlinien wie die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, das Kyoto-Protokoll und das Pariser Klimaabkommen.

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2. Wie arbeitet der Weltklimarat - und wer gehört dazu?

Dem Weltklimarat gehören zum einen Regierungen an, die Mitglieder der Vereinten Nationen oder der WMO sind. Zurzeit sind das knapp 200 Länder. Zudem gibt es noch mehr als 100 Institutionen der Vereinten Nationen sowie internationale und zivilgesellschaftliche Organisationen, die als sogenannte Beobachter akkreditiert sind. Hinzu kommen Hunderte unabhängige Fachleute unterschiedlicher Disziplinen aus der ganzen Welt, die als Autorinnen und Autoren beziehungsweise Gutachterinnen und Gutachter an den IPCC-Sachstands- und Sonderberichten arbeiten, ohne dafür zusätzlich bezahlt zu werden.

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Für jeden Bericht, den der Weltklimarat veröffentlicht, wird ein neues Autorenteam zusammengestellt. Die Fachleute werden von den Regierungen und Beobachterorganisationen nominiert, und schließlich vom IPCC-Vorstand gewählt. Es gibt drei wissenschaftliche Arbeitsgruppen, die die Sachstands- und Sonderberichte erarbeiten:

  • Arbeitsgruppe 1: Sie befasst sich mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels.
  • Arbeitsgruppe 2: Deren Mitglieder beschäftigen sich mit den Auswirkungen des Klimawandels und erklären, wie sich der Mensch daran anpassen kann.
  • Arbeitsgruppe 3: Sie zeigt politische, wirtschaftliche und technologische Wege auf, die den Klimawandel abschwächen können.

3. Wie viele IPCC-Berichte gibt es – und wie werden Fakten geprüft?

Der erste Sachstandsbericht des Weltklimarats erschien 1990. Seitdem wurden im Schnitt etwa alle sechs Jahre neue umfangreiche Berichte zum Klimawandel veröffentlicht. Gerade ist der dritte Band des sechsten Sachstandsberichts erschienen, an dem insgesamt rund 740 Expertinnen und Experten aus 90 Ländern beteiligt sind. Grundlage für die Sachstandsberichte bilden die Berichte der einzelnen IPCC-Arbeitsgruppen sowie ein Synthesebericht, der wissenschaftliche, technische und sozioökonomische Informationen zum Klimawandel zusammenfasst. Entsprechend viele Seiten umfasst der fertige Report – meist sind es mehrere Tausend.

Um die Qualität der IPCC-Berichte sicherzustellen und Fehler zu vermeiden, durchlaufen sie einen strengen Review-Prozess: Liegt der Entwurf für einen Sachstandsbericht vor, wird dieser zunächst von den ausgewählten Gutachterinnen und Gutachtern überprüft. Anmerkungen müssen entsprechend korrigiert und ein zweiter Entwurf erarbeitet werden. Dieser wird dann erneut von den Gutachterinnen und Gutachtern sowie von Regierungsvertreterinnen und Regierungsvertretern kontrolliert.

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Pro Kapitel eines Berichts werden zudem mindestens zwei Review-Editorinnen und -Editoren eingesetzt, die aufpassen, dass Anmerkungen berücksichtigt werden, und die strittige Fragen klären. Dieser Prozess soll auch gewährleisten, dass die vielfältigen Ansichten der Wissenschaft in ausreichendem Maße vertreten sind, und die Berichte objektiv und transparent sind.

4. Was steht im aktuellen Bericht?

Der Klimawandel führt zu Extremwetterlagen und Dürre.

Der Klimawandel führt zu Extremwetterlagen und Dürre.

Der jüngste Sachstandsbericht, der sechste, gliedert sich in vier Teile, von denen drei bereits im Laufe der Jahre 2021/2022 veröffentlicht wurden. Der Ausstoß von Treibhaus­gasen bleibt nicht folgenlos, verändert das Klima nachhaltig und ist für das Leben der Menschen gefährlich. Darin sind sich die Fachleute des Welt­klima­rats einig. Was der Klimawandel konkret zur Folge hat, macht bereits der erste Teilbericht aus dem Jahr 2021 deutlich. 234 Expertinnen und Experten aus 66 Ländern haben daran gearbeitet, verschiedene Projektionen durchgerechnet. Zitiert werden mehr als 14.000 Quellen. Zu den Veränderungen zählen beispielsweise:

  • Die globale Ober­flächen­temperatur wird bei allen Projektionen bis mindestens 2050 weiter ansteigen. Erst danach zeigt sich, inwiefern die menschlichen Anstren­gungen von heute und den kommenden Jahren einen nachhaltigen Effekt auf den Temperatur­anstieg haben. Es gilt als wahrscheinlich, dass eine globale Erwärmung von 1,5 und zwei Grad Celsius im Laufe des 21. Jahrhunderts überschritten wird.
  • Es gibt noch Spielraum. Dafür müssten ab jetzt und in den kommenden Jahrzehnten drastische Reduktionen der CO₂- und anderer Treib­haus­gas­emissionen gelingen.
  • Je stärker die globale Erwärmung ausfällt, desto häufiger und intensiver finden Extrem­wetter­ereignisse statt. Dazu zählen Hitzewellen, Starkregen, Dürren, heftige tropische Wirbel­stürme, Rück­gänge des arktischen Meereises, von Schnee­bedeckung und Permafrost. Jedes zusätzliche Grad Celsius mehr Erwärmung bedeutet, dass Extrem­nieder­schläge um 7 Prozent zunehmen.
  • Der globale Wasser­kreis­lauf wird sich weiter intensivieren. Das heißt, es wird weltweit mehr Ereignisse mit heftigen Nieder­­schlägen geben und mehr Regen verdunsten. Es wird regional aber auch stärkere, häufigere und längere Perioden der Trockenheit, Dürren, Hitze geben.
  • Die Ozeane, Wälder und Böden werden bei steigenden CO₂-Emissionen in der Atmosphäre ebendiese weniger wirksam verlangsamen. Eigentlich speichern sie einen großen Teil der Treib­haus­gase ab. Dieser Kreislauf gerät durch die Erwärmung aber ins Wanken.
  • Viele Veränderungen durch Treib­haus­gas­emissionen aus Vergangenheit und Zukunft sind über Jahrhunderte bis Jahrtausende unumkehrbar – insbesondere Veränderungen des Ozeans, von Eisschilden und des globalen Meeres­spiegels.

Auch Deutschland ist davor nicht gefeit. Der zweite Teil des neuesten Berichts macht beispielsweise vier Hauptrisiken für Europa aus: Hitze, Dürre, Wasserknappheit und Überschwemmungen, beziehungsweise ein steigender Meeresspiegel. Schon heute, das zeigt sich, seien die Folgen von Hitzewellen und Dürren häufiger geworden. Die Zahl der Todesfälle und Menschen, die durch Hitzestress gefährdet sind, steigt bei einer Erderwärmung um drei Grad im Vergleich zu 1,5 Grad auf das Zwei- bis Dreifache. Die Forschenden gehen auch davon aus, dass der Großteil Europas sich auf „erhebliche Verluste in der landwirtschaftlichen Produktion“ einstellen muss.

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5. Warum sind die IPCC-Berichte so wichtig?

Die Zusammenfassungen der Arbeitsgruppen lesen sich als ein eindringlicher Appell aus der Wissenschaft an Regierende und die Weltgemeinschaft. Die internationale Forschungsgemeinschaft macht damit deutlich, wie wichtig es ist, den menschengemachten Klimawandel ernst zu nehmen, möglichst noch zu begrenzen, sich schon jetzt auf verschiedene Szenarien vorzubereiten und sich möglichst gut an die Veränderungen der Zukunft – mit ungewissen Folgen – anzupassen.

Die Beweise seien klar, so der IPCC, die Zeit zum Handeln sei jetzt. Schiebt man notwendige Maßnahmen auf, treten immer dramatischere Folgen durch den fortschreitenden Klimawandel ein. Das Handlungsfenster wird zudem immer kleiner. Der dritte Teil des neuesten IPCC-Berichts zeigt beispielsweise, dass wenn die Welt die globale Erwärmung auf etwa 1,5 Grad begrenzen will, die globalen Treibhausgasemissionen spätestens vor 2025 ihren Höchststand erreichen und bis 2030 um 43 Prozent reduziert werden müssten. Der Methanausstoß müsste zudem um ein Drittel reduziert werden. Und selbst dann sei es „fast unvermeidlich, dass wir diese Temperaturschwelle vorübergehend überschreiten“.

6. Wann kommt der nächste Bericht?

Der sechste Sachstandsbericht des Weltklimarats ist fast vollständig. Es fehlt nur noch der abschließende, meist hundertseitige Synthesebericht, der die drei zuvor veröffentlichten Bände aus einer übergreifenden Perspektive zusammenfasst. Dieser soll im Zeitraum vom 26. bis 30. September dieses Jahres verabschiedet werden, wie aus dem offiziellen Kalender des IPCC hervorgeht.

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