Politische Bildung: In Lübeck läuft nicht viel
Lübeck. „Wir haben ein großes Problem an Gemeinschaftsschulen“, erklärt Dr. Christian Meyer-Heidemann, Landesbeauftragter für politische Bildung. An diesen Schulen werde das übergreifende Fach Weltkunde aus Geografie, Geschichte und Politik unterrichtet. Zu über 80 Prozent würden fachfremde Lehrer eingesetzt. Meyer-Heidemann: „Wir haben Handlungsbedarf.“ Pito Bernet, Geschäftsführer des Lübecker Jugendrings: „An der Erziehung zum mündigen Bürger scheitert die Schule.“ Mit wenigen Ausnahmen würden junge Menschen in den Schulen nicht lernen, wie sie ihre Interessen vertreten können. Bernet: „Es gibt beispielsweise keine gezielte Vermittlung in den Schulen, welche Rechte Klassensprecher haben.“ Auch das außerschulische Angebot an politischer Bildung sei eher bescheiden. Bernet: „Die Stadt bietet nichts an.“
Gudrun Neuper vom Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung in Lübeck: „Wir organisieren Demokratietage an Schulen und es ist immer eine Herausforderung, Schulen zu finden, die mitmachen.“ Viel hänge vom persönlichen Engagement der Lehrer ab, weiß Harald Denckmann von der Auslandsgesellschaft, früher Lehrer an der Thomas-Mann-Schule. „Wenn in Lübeck ein Bürgermeister gewählt wird, muss ein Lehrer das in den Mittelpunkt rücken – egal, was der Lehrplan sagt.“ Das kommunalpolitische Geschehen werde in den Schulen zu wenig behandelt, räumt Meyer-Heidemann ein: „Das Land hat aber jetzt neues Unterrichtsmaterial herausgegeben und an alle Schulen verschickt.“
Amnesty International, die Deutsche Auslandsgesellschaft, die Böll-Stiftung, der Jugendring, der Landesbeauftragte für politische Bildung und die Gemeinnützige haben sich zusammengetan, um das Thema in Lübeck voranzubringen. Gestartet wird Ende August mit einer Diskussion mit der Kieler Bildungsministerin. Demokratie-Kitas werden ebenso vorgestellt wie Initiativen in Schulen (Munol, Polit-Talk, Schule ohne Rassismus). Es gibt Filme, Lesungen und Vorträge. Kurz vor der Europawahl im nächsten Jahr stellen sich Kandidaten für das EU-Parlament Lübecker Schülern vor.
Das gesamte Programm findet sich auf der Internetseite der Gemeinnützigen und wird als Flyer in der Stadt verteilt. Die Gemeinnützige veranstaltet die „Mittwochsbildung“ seit 13 Jahren und hat in dieser Zeit 120 Veranstaltungen auf die Beine gestellt. „Lehrer, Erzieher und Eltern stellen den Hauptteil des Publikums“, berichtet Vorsteherin Antje Peters-Hirt.
dor
LN