Gesundheit

Sportler berichtet nach Herzinfarkt: So rettete Neustädter Arzt mein Leben

Dr. Peter Radke (l.), Chefarzt im Fachzentrum für Innere Medizin und Kardiologie der Neustädter Schön-Klinik, zeigt Rainer Gronostay (Mitte), was mit seinem Herzen passiert ist. Facharzt Abdelrahman Elhakim hat Gronostay vor wenigen Monaten das Leben gerettet.

Neustadt. Plötzlich ist das Piepen vom Patientenmonitor weg. Stille. Rainer Gronostay friert. Er zittert. „Ich habe die ganze Zeit meinen Herzschlag gehört, und dann war das Geräusch auf einmal nicht mehr da“, sagt er. Das ist vier Monate her. Der langjährige Sportabzeichen-Obmann vom TSV Neustadt, der nie zu dick war, nicht raucht und sich immer fit gefühlt hat, muss jetzt acht Tabletten nehmen – täglich. Eine Folge des Herzinfarkts. Sein wohl größtes Glück war, dass seine Frau die Symptome am 14. Juli richtig deutete. Eine Notärztin war rasend schnell zur Stelle. So läuft es nicht immer. Viele Ostholsteiner wissen nicht, wann sie dringend in die Klinik müssen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Symptome eines Herzinfarkts

Dr. Peter Radke ist Kardiologe an der Schön-Klinik. Herzkranke Patienten sind sein Fachgebiet. „Wir müssen für die Symptome sensibilisieren. Dafür benötigen wir Kampagnen und das immer wieder. Sonst geht die Kompetenz verloren“, sagt er. Generell gelte, wer länger als fünf Minuten anhaltenden Druck auf der Brust verspüre, der müsse zum Arzt. Jedoch hat nicht jeder Mensch, der einen Infarkt erlangt, dieses Merkmal. Vielmehr können es auch Schmerzen im Arm, im Unterkiefer, im Rücken sowie starkes Schwitzen, Unruhe und Luftnot sein. „Ältere Menschen haben eher ein Schwächegefühl. Bei Diabetikern ist es wieder anders, und Frauen haben nicht immer den Druck auf der Brust“, führt Radke aus.

Rainer Gronostay erlebt fast alle Symptome im Schnelldurchlauf. „An dem Tag war ich mit meiner Frau im Garten. Ich habe eine alte Zypresse aus dem Boden geholt. Wühlmäuse hatten sie zerstört“, erzählt er. Abends – nach dem Essen – hätten sie um 20.15 Uhr einen Film schauen wollen. Doch fünf Minuten vorher, habe er Bauschmerzen bekommen. „Ich dachte, ich habe zu schnell gegessen. Dann fing mein Oberarm an wehzutun, und ich habe einen Druck auf der Lunge gespürt. Es wurde immer schlimmer“, erinnert er sich.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die kleinste Herzpumpe der Welt

In der Schön-Klinik trifft Rainer Gronostay auf Abdelrahman Elhakim. „Es war knapp und ist fast zum Herzstillstand gekommen. Dabei dachte ich zunächst, dass es schnell besser wird, doch es wurde immer schlechter“, erinnert sich der Oberarzt. Gerettet habe Gronostay schließlich der Einsatz einer Impella, die kleinste Herzpumpe der Welt. „Sie hat die Arbeit für das Herz übernommen, und ich konnte in Ruhe arbeiten“, sagt Elhakim. Peter Radke ergänzt: „Die Pumpe wird durch eine Ader in der Leiste eingeführt. Sie ist nur wenige Millimeter groß und hat einen kleinen Propeller.“

Dank Verfahren wie diesem ist die Zahl der Menschen, die aufgrund eines Herzinfarkts sterben, gesunken. Es gibt jedoch noch ganz andere Dinge, die das Risiko einer Erkrankung und damit auch eines plötzlichen Herztods reduzieren. „Es gibt Faktoren, die wir in denen Genen tragen. Diese sind nicht veränderbar. Schicksal. Veränderbar sind aber Dinge wie das Rauchen und die Abnahme von Gewicht“, sagt Radke. So habe die Zahl der Infarkte aufgrund der Einführung des Rauchverbots in Restaurants und Clubs das Risiko, einen solchen zu erleben, um zehn Prozent gesenkt. „Das ist eine der wirksamsten Maßnahmen der Gesellschaft, Leben zu retten“, erläutert der Kardiologe.

Lesen Sie auch

Warum genau Rainer Gronostay am 14. Juli 2023 einen Herzinfarkt hatte, ist unklar. Wobei bekannt ist, dass es eine familiäre Vorbelastung gibt. Rückblickend sei er einfach froh, dass Abdelrahman Elhakim „mein Leben gerettet hat“. „Ich habe fünf Stents gesetzt bekommen, hatte zwei Lungenembolien und eine schlimme Lungenentzündung“, sagt der 66-Jährige und ergänzt, dass es ihm heute wieder körperlich gut gehe. „Ich hoffe, dass meine Geschichte anderen Menschen hilft, in so einer Situation das Richtige zu tun“, sagt er.

LN