Wenn Menschlichkeit unter Paragrafen begraben wird
Schackendorf/Kiel. Das Schicksal einer jungen Afghanin aus dem Kreis Segeberg, die seit sechs Jahren hier lebt und nun das Land verlassen soll, wirft ein erschütterndes Licht auf die deutsche Abschiebepraxis.
Trotz Bemühungen, sich zu integrieren und einer schweren Traumatisierung muss Parisa H. in Angst davor leben, das Land wieder verlassen zu müssen – und das auch noch ohne ihre Familie.
„Sie könnte ein Gewinn sein, wenn man sie ließe“
Heißt es dabei nicht immer wieder, dass der Staat zwischen denen, die sich in unsere Gesellschaft einbringen und denen, die ihr schaden wollen, differenziert? Dazu stellt sich die Frage, inwiefern Behörden ihrer Fürsorgepflicht nachkommen, wenn sie einer integrationswilligen Frau seit Jahren die Arbeitserlaubnis verweigern. Sie könnte ein Gewinn sein, wenn man sie ließe.
Die junge Frau will einfach nur in Frieden und Freiheit leben dürfen, wie jeder von uns. Aber ihr begegnet bürokratische Kälte und institutionelles Misstrauen. Das Schicksal von Parisa H. steht exemplarisch für eine Praxis, in der Menschlichkeit zu oft unter Paragrafen begraben wird.
Deutschlands Integrationspolitik ist nach der jüngsten Bundestagswahl schärfer geworden. Darum steht zu befürchten, dass der Fall der jungen Frau aus Schackendorf kein Einzelfall bleibt.
LN