Mit Pierce Brosnan und Helen Mirren

Die Harrigans sind die Härtesten: So ist die starbesetzte Gangsterkomödie „MobLand“

Ach wie gut, dass niemand weiß...: Maeve Harrigan (Helen Mirren) hat auch ihren brutalen Mobstergatten Conrad im Griff. Szene aus der Paramount+-Serie "MobLand".

Dass die Harrigans ja doch wohl nicht die Taliban seien, damit versucht Jan (Joanne Froggatt) in erster Linie sich selbst zu trösten, als ihr Ehemann Harry (Tom Hardy) noch sehr viel ernster wird als sonst. Conrad Harrigan (Pierce Brosnan) hatte Jan am Nachmittag besucht und ihr in drängendem Tonfall einiges über Familie, Zusammenhalt und die Notwendigkeit des Schweigens erzählt. Harry gibt sich keinen Illusionen hin - das bedeutet nichts Gutes. „Wenn Conrad aufdreht, ich meine, wenn Conrad so richtig loslegt“, sagt er zu Jan, „wünschst du dir, er wäre einer.“ Also - ein Taliban.

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Harry ist die rechte Hand des Iren Conrad, der das Leben eines britischen Landlords führt. Großes Herrenhaus mit großem Garten, viel Natur drumherum, Gemäldesammlung innen drin. Conrad selbst sieht aus wie der Inbegriff eines Gentleman. Das täuscht.

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Hinter dem Landlord steckt ein eiskalter Mobster

In Wahrheit ist Conrad aber Londons toughster Mobster, Imperator des Drogengeschäfts. Als Harry fürchtet, dass der gerade hinter der Küche eines Restaurants vereinbarte Händedruck zweier verfeindeter, niederer Gangsterbosse maximal ein halbes Jahr hält, lässt Conrad die ganze Gang von Harrys Freunden Zosia (Jasmine Jobson) und Freddie (Bradley Turner) niedermähen.

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Mit Maschinenpistolen - wie weiland in Chicagos großer Zeit. Dann tritt Conrad dem sterbenden Mehmet noch auf die Gurgel. Dafür, dass „ich 30 Jahre deinen türkischen Honig fressen musste“.

So einer also. Pierce Brosnan hat dabei diese kratzige Stimme wie Stahlwolle auf Fensterscheibe. Raues Fernsehen ist diese jüngst gestartete Serie „MobLand – Familie bis aufs Blut“, immer wieder färbt sich der Bildschirm dank Hämoglobin rot. Aber weil die Inszenierung so cartoonish ist, kann man alldem zusehen, sogar mit großem Vergnügen.

Ritchie ist der Meister wildhumoriger Unterweltshows

Mit Guy Ritchie als Macher warb Paramount+. Ritchie ist seit jeher Meister darin, Unterweltliches in wildhumorige Shows zu stopfen. Mit „Bube, Dame, König, grAS“ (1999) und „Snatch – Schweine und Diamanten“ (2000) trat er furios auf den Plan, bei „The Gentlemen“ (2019) brachte er dann Drogen und Landleben zusammen und spann die Idee 2024 in einer gleichnamigen Serie weiter. Jetzt schon wieder Landluft.

Conrad will ins Fentanyl-Biz einsteigen, und dass es dadurch zum Krieg mit seinem Gegenspieler Richie Stevenson (Geoff Bell), kommen würde, sieht er sportlich.

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Zum Problem wird, dass Conrads nichtsnutziger Enkel Eddie (Anson Boon) verbotenerweise mit Richies Sohn Tommy (Felix Edwards) abhängt, und mit ihm einen buchstäblichen Abstecher in einen angesagten Nachtclub macht. Tommy ist danach verschwunden, wird von Daddy gesucht und schließlich auch gefunden – portioniert in einer Kiste.

Helen Mirren ist der wahre Boss

Das Ensemble ist superb: Alex Jennings als Conrads etwas tapsiger bester Freund und Berater Archie ist leider schon früh unter der Erde, dafür bleibt uns Paddy Considine als nervenschwacher Harrigan-Sohn Kevin länger erhalten.

Hat man Helen Mirren zuletzt als bodenständige, ehrliche Rancherfrau Cara Dutton im „Yellowstone“-Spinoff „1923“ an der Seite Harrison Fords gesehen, so überrascht sie als Conrads Gattin Maeve, Boss überm Boss, Meisterin der Intrigen, die Fäden spinnt, die zuweilen selbst Conrad nicht sieht.

Ich hätte schwören können, dass du tot bist.

Maeve Harrigans Begrüßung verunsichert Archie, einen Freund der Familie

„Ich hätte schwören können, dass du tot bist“, begrüßt sie Archie, worauf sie ein verunsicherndes hexenhaftes Kichern hören lässt. Und Enkel Eddie drückt sie gern, offensichtlich ein wenig zu gern, an die Omabrust.

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Dass der bullige, gleichmütig dreinblickende Problemlöser Harry, der einen Krieg zwischen Conrad und Richie verhindern will, und dazu die waghalsigsten Verhandlungsmanöver durchzieht, plötzlich lebensgefährlich in Misskredit gerät – man würde seine Hand nicht eine halbe Sekunde für Ladyboss Maeves Unschuld daran ins Feuer legen.

Tom Hardy als bulliger Fixer mit sanftem Tonfall

Der gewohnt charismatische Hardy macht aus den 1000 Facetten von Harrys Job eine dunkle Köstlichkeit, die allein das Zusehen lohnt. Conrads Fixer lebt in einem modernen Glaspalast über der Themse, wo er kaum weilt, weil er immer in Bereitschaft steht und seine zahllosen Connections zum Wohl der Harrigans spielen lässt. Er spricht gern ruhig, seine Wortwahl ist gesetzt, für das Grobe, das folgt: „Gerade bin ich im ersten Gang“, verrät er zwei Fügungsunwilligen. „Würden Sie sehen wollen, wie ich in den sechsten schalte?“

„MobLand“ ist meist zwischen viertem und sechstem Gang, ein Ritchie-Drive, mit den alten Ingredienzen: Action, Gewalt – beides eingelegt in eine ruppige Komik, bei einer eher diskreten Psychologisierung der Figuren. Allerdings ist es eher der Ritchie-Drive à la Ronan Bennett.

Das Drehbuch stammt von „Schakal“-Macher Ronan Bennett

Zwei Folgen inszeniert Ritchie selbst, er ist zudem unter den Produzenten. Aber geschrieben hat das alles Bennett. Der nordirische Autor war zuletzt Schöpfer von „Day of The Jackal“, der gefeierten Serienverfilmung von Frederick Forsyths Bestseller mit Eddie Redmayne. Mehr Lametta geht nun wirklich nicht, eine zweite Staffel ist schon im Werden.

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„Mobland“, erste Staffel, zehn Episoden, von Ronan Bennett, Regie und Produktion (u. a.) Guy Ritchie, mit Tom Hardy, Helen Mirren, Pierce Brosnan, Eddie Considine, Anson Boon, Geoff Bell, Jasmine Jobson, Lara Pulver, Joanne Froggatt, Gemma Knight Jones, Toby Jones, Alex Jennings (streambar bei Paramount+)