Eskaliert der Konflikt? Großdemo gegen Touristen auf Mallorca
Gemütlich am Strand liegen, einfach mal bei einem guten Buch entspannen, dem Rauschen der Wellen lauschen, sich gelegentlich im Meer erfrischen – so oder so ähnlich stellen sich wohl die meisten einen perfekten Strandurlaub vor.
Auf Mallorca kann die Urlaubsstimmung jedoch zurzeit etwas getrübt werden. So wie in vielen anderen beliebten Urlaubszielen in Spanien – und in anderen europäischen Ländern – protestieren die Einheimischen auf der Baleareninsel in letzter Zeit immer wieder gegen den Massentourismus. Zuletzt waren vor acht Wochen unter dem Motto „Sagen wir Basta!“ und „Mallorca steht nicht zum Verkauf!“ nach Polizeiangaben rund 10.000 Menschen in Palma auf die Straße gegangen. Die Organisatoren sprachen von 25.000 Teilnehmern.
Auch in anderen spanischen Touristenmetropolen wie Barcelona und Málaga sowie auf den Kanaren regt sich der Unmut. Seit Anfang Juli durchgeführte Versammlungen und Veranstaltungen gegen den sogenannten Overtourism sowie ein kleinerer Protestmarsch in Palma sollen nun in einer Großdemonstration auf Mallorca zusammengeführt werden. Diese ist für Sonntag, 21. Juli, in Mallorcas Inselhauptstadt geplant, berichtet unter anderem das „Mallorca Magazin“.
Großdemonstration in Palma: Das sollten Reisende wissen
Zur Großdemo am Sonntag hat erneut die Bürgerinitiative „Menys turisme, més vida“ („Weniger Tourismus, mehr Leben“) aufgerufen.
Wie „Focus Online“ berichtet, ist der Sammelpunkt am Sonntag um 19 Uhr am Nationalpark Parc de les Estacions in Palma. Danach soll ein Protestmarsch durch die Stadt folgen. Teilnehmende Gruppen haben dem Nachrichtenportal zufolge angekündigt, zunächst durch Cafés und Bars in S‘Arenal und El Molinar zu ziehen.
Weiter wird berichtet, dass von den Gemeinden Montuïri, Vilafrance de Bonany, Manacor, Campanet, Calviá, Andratx, Santa Ponsa sowie von umliegenden Städten und Dörfern am 21. Juli in regelmäßigen Abständen Busse mit Aktivistinnen und Aktivisten in Richtung Palma fahren. Touristinnen und Touristen wird geraten, Treffpunkte und Bushaltestellen zu meiden.
Demo in Palma könnte heftig ausfallen
Die Proteste am Wochenende könnten heftig ausfallen, denn für die kommende Demonstration bereitet sich die Bürgerbewegung schon auf mögliche Sanktionen vor, berichtet das spanische Onlineportal „Mallorca Diario“. Auf X teilte die Initiative mit, einen Widerstandsfonds eingerichtet zu haben, in den Teilnehmende ihre Beiträge einzahlen können, um mögliche polizeiliche Bußgelder zu bewältigen.
Die Demo könnte nach Angaben des „Mallorca Magazins“ sogar „eine neue Ära des Tourismus einläuten“: Denn erstmals zögen Einheimische, Hoteliers sowie Politikerinnen und Politiker gemeinsam an einem Strang, um den negativen Auswirkungen des Massentourismus entgegenzuwirken, erklärt die Inselzeitung.
Jaume Pujol, Sprecher der Initiative, sagt der „Mallorca Zeitung“: „Unser Ziel ist es, einen Wendepunkt und einen Schlag auf den Tisch mitten in der Saison zu setzen.“ Mehr als 80 Organisationen und soziale Gruppen auf Mallorca unterstützen nach Angaben der Zeitung diesen Protest, um gegen die Überfüllung der Balearen und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf Umwelt, Lebensqualität und lokale Kultur zu kämpfen.
An der letzten großen Demo im Mai in Palma nahmen offiziell rund 10.000 Menschen teil. Die Organisatoren sprachen von 25.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Das treibt die Menschen auf die Straße
Für Mallorca ist der Tourismus zwar überlebenswichtig. Die Branche steht für 45 Prozent der Wirtschaftsleistung der Insel. Und die Tourismusbranche warnt davor, an dem Ast zu sägen, auf dem viele sitzen.
Aber die Demonstranten klagen, dass nur eine Minderheit profitiert, während die große Mehrheit Jobs mit niedrigen Gehältern in der Tourismusbranche bekommt, die nicht reichen, um die immer teureren Wohnungen zu bezahlen. Zudem zerren Staus, Lärm und Schmutz an den Nerven der Insulaner.
Ist Urlaub in Spanien noch sicher?
Nicht nur auf Mallorca wehren sich die Menschen gegen die Folgen des Massentourismus: Auch in beliebten Reisezielen wie den Kanaren, auf Menorca sowie in der Hafenstadt Málaga gehen die Einheimischen auf die Straße und fordern „Tourists go home!“ („Touristen, geht nach Hause!“).
In Barcelona demonstrierten am Samstag, 6. Juli, rund 3000 Menschen gegen den Mangel an bezahlbarem Wohnraum, dabei kam es vereinzelt auch zu Attacken mit Wasserpistolen auf Touristinnen und Touristen, die in Restaurants saßen.
In Sevilla wurden am Sonntag, 14. Juli, nach Angaben der Zeitung „ABC“ Vorhängeschlösser von Touristenwohnungen rund um Alameda mit Exkrementen beschmiert.
Álvaro Blanco Volmer, Botschaftsrat des Spanischen Fremdenverkehrsamtes in Berlin, sagte dem reisereporter am 10. Juli auf Nachfrage, dass Spanien „ein sicheres, gastfreundliches und gut vorbereitetes Land für Reisende aus aller Welt“ bleibe.
Die Demonstrationen in Spanien würden sich lediglich gegen die Auswirkungen des Massentourismus richten und haben sich laut Álvaro Blanco Volmer auf spezifische Orte und konkrete Anlässe beschränkt. „Solche Proteste spiegeln nicht das generelle Sicherheitsniveau im Land wider, sondern sind Ausdruck lokaler Anliegen.“ Insgesamt bleibe die Mehrheit der touristischen Destinationen in Spanien ruhig.
mit Angaben der dpa
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