Warum Rooney als Trainer in Birmingham nicht willkommen ist
Wayne Rooney weiß, wie es ist, mit öffentlicher Unzufriedenheit konfrontiert zu werden. Er hat immerhin lange genug für die englische Nationalmannschaft gespielt. Besonders in Erinnerung geblieben ist eine Szene von der WM 2010 in Südafrika. Nach einem trostlosen 0:0 gegen Algerien klangen neben dem Dröhnen der Vuvuzela-Tröten, dem bei jenem Turnier nicht nur die Engländer ausgesetzt waren, auch Laute des Missfallens von den Rängen. Eine Fernseh-Kamera fing ein, wie Nationalstürmer Rooney die Reaktion des englischen Publikums zynisch kommentierte: „Schön, wenn dich die eigenen Fans ausbuhen.“
Gerade wurde Rooney wieder ausgebuht, und diesmal zeigte er echtes Verständnis. Er weiß selbst, dass sein Einstand als Trainer bei Birmingham City in der zweiten englischen Liga, der Championship, ziemlich misslungen ist. In zwei Spielen gab es zwei Niederlagen. Der Fehlstart ist allerdings nicht der einzige Grund dafür, dass die Fans schon früh die Geduld mit ihm verlieren. Sein Vorgänger, ein Mann namens John Eustace, war bei der Kundschaft beliebt, weil er aus der Region kommt und einen ordentlichen Job machte. Er rettete Birmingham in der vergangenen Saison vor dem Abstieg in die dritte Liga und spielte mit dem Klub in dieser Spielzeit um jene Ränge, die zur Teilnahme an den Aufstiegs-Playoffs berechtigen. Seine Entlassung war für viele Fans unverständlich.
Rooney ist eine unpopuläre Wahl als Nachfolger. Das liegt erstens daran, dass er schon in seiner aktiven Zeit polarisierte, obwohl er Rekordtorschütze der englischen Nationalmannschaft war, bis er im März dieses Jahres von Harry Kane abgelöst wurde. Zweitens ist Rooneys bisherige Bilanz als Trainer wenig verheißungsvoll. Mit Derby County stieg er im vergangenen Jahr aus der Championship ab, allerdings unter turbulenten Umständen – wegen Insolvenz waren dem Verein 21 Punkte abgezogen worden. Mit D.C. United verpasste Rooney danach zweimal nacheinander die Playoffs in der US-amerikanischen Major League Soccer.
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Zur vollständigen AnsichtBirmingham City verkaufte seine Ankunft vor zwei Wochen als Coup, weil Rooney ein großer Name ist, der für große Ambitionen steht – er verkündete umgehend den Aufstieg in die Premier League als Ziel. Viele Fans haben allerdings eher den Eindruck, dass seine Verpflichtung ein PR-Stunt der seit Juli amtierenden US-amerikanischen Besitzer ist. Im Zuge ihrer Übernahme stieg übrigens auch NFL-Legende Tom Brady bei dem Verein ein und übernahm eine Beraterrolle.
Für einen Abgesang auf Rooney ist es zu früh
Rooney bittet die Fans um Geduld – und natürlich wäre es voreilig, seine Mission bei Birmingham City schon für gescheitert zu erklären. Seine Schwierigkeiten in der Karriere nach der Karriere erinnern allerdings an das Schicksal anderer bekannter Mitglieder jener „goldenen Generation“ englischer Nationalspieler, der auch Rooney angehörte. Frank Lampard bewies als Trainer des FC Chelsea (zweimal) und beim FC Everton, dass ein schillernder Lebenslauf und viele Fürsprecher in den Medien kein Ersatz für Kompetenz ist. Steven Gerrard führte die Rangers zur schottischen Meisterschaft, scheiterte aber in der Premier League bei Aston Villa und trainiert neuerdings al-Ettifaq in Saudi-Arabien.
Für einen Abgesang auf Wayne Rooney ist es noch zu früh, auch wenn einige Birmingham-Fans ihn am liebsten schnell wieder loswerden würden. „Verpiss dich zurück nach Amerika!“, rief ihm ein Anhänger nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel zu.