Interaktive Karte

1200 Flächen haben Potenzial für Windkraft in SH: Hier wäre der Ausbau möglich

In Schleswig-Holstein gibt es rund 1200 Flächen, die sich für Windkraftanlagen eignen würden.

Kiel. In Schleswig-Holstein eignen sich nach Einschätzung der Regierung rund 1200 Flächen in fast allen Regionen des Landes für Windkraft. Das geht aus einer Potenzialkarte hervor, in der mögliche Windenergiegebiete verzeichnet sind. Sie umfassen rund 113 000 Hektar. Das sind 7,2 Prozent der Landesfläche.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Umstritten ist, wie stark das Windpotenzial ausgeschöpft wird. Die Regierung will 3,0 bis 3,3 Prozent der Landesfläche als Vorranggebiete ausweisen und geht davon aus, dass die restlichen 3,9 bis 4,2 Prozent Potenzialfläche kaum in Anspruch genommen werden. Das meint auch der Windlobbyverband LEE.

Kritiker fürchten Groß-Windpark Schleswig-Holstein

Rotorengegner vom Verein Vernunftkraft erwarten dagegen, dass Investoren viele Orte überzeugen könnten, Potenzialflächen zu nutzen und so die Gemeindekasse zu füllen. Damit rechnet auch der Naturschutzbund. „Wir glauben, dass die Potenzialkulisse bis zum oberen Rand ausgeschöpft werden könnte“, sagte der Nabu-Landesvorsitzende Alexander Schwarzlose.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Auf der Potenzialkarte überziehen die Windenergiegebiete Schleswig-Holstein wie ein dichter Flickenteppich“, mahnt Vernunftkraft-Chefin Susanne Kirchhof. Es gäbe kaum freie Regionen. Und weil sich Gebiet an Gebiet reihe und es keine Höhenbegrenzung der Anlagen mehr gebe, entstehe für Betrachter der Eindruck eines einzigen „Groß-Windparks“.

Potenzialflächen-Karte: Hier wäre der Windkraftausbau möglich

Ansicht wechseln

In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.

Zur vollständigen Ansicht

Großes Windpotenzial im Kreis Rendsburg-Eckernförde

Potenzial sieht die Regierung in allen Kreisen und kreisfreien Städten, das allerdings unterschiedlich viel:

  • Die meisten Windenergiegebiete weist Rendsburg-Eckernförde (16 900 Hektar) auf. Sie machen aber „nur“ 7,7 Prozent der Kreisfläche aus. In Nordfriesland (15 700 Hektar) sind es 7,5 Prozent des Kreisgebiets.
  • Die höchsten Gebietsanteile haben Steinburg (11 300 Hektar, 11,7 Prozent der Kreisfläche), Dithmarschen (13 900 Hektar, 9,7 Prozent) und Segeberg (11 600 Hektar, 8,7 Prozent).
  • In den kreisfreien Städten gibt es nur im Außenbereich einige windtaugliche Flächen. In Kiel sind es 103 Hektar (0,9 Prozent der Stadtfläche), in Lübeck 93 Hektar (0,4 Prozent). Spitzenreiter ist Neumünster mit 218 Hektar (3,0 Prozent).

Vogelschutz: Keine Windkraftanlagen auf Nordseeinseln und Halligen

Für Windkraftanlagen tabu sind neben dicht besiedelten Städten insbesondere Bereiche, in denen viele Vögel unterwegs sind. Dazu gehören neben Sylt, Amrum und Föhr auch alle Halligen. Als weiteres Beispiel nennt Nabu-Mann Schwarzlose die Route des ostatlantischen Vogelzugs über Schleswig-Holstein. Die Route beginnt an der Schlei, geht über das Städtedreieck Eckernförde-Schleswig-Rendsburg und weiter bis zur Halbinsel Eiderstedt. In diesen Bereichen gibt es keine Potenzialflächen. Und dort bereits installierte Anlagen oder Parks genießen laut Innenministerium nur Bestandsschutz, dürfen aber nicht durch neue Windräder (Repowering) ersetzt werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ebenfalls aus Vogelschutzgründen hat die Regierung beim Landes-Entwicklungsplan Wind etwa den Bereich zwischen dem Selenter See und dem Großen Plöner See ausgespart. Dort nisten zahlreiche Seeadler. „Bei der Windplanung gibt es neben viel Licht allerdings auch viel Schatten“, beklagt Vogelschützer Schwarzlose. Auf Fehmarn seien trotz Vogelflugs Potenzialgebiete ausgewiesen. Noch schlimmer sei, dass die Regierung die bisherigen Mindestabstände zwischen Rotoren und Horsten von Großvögeln verringert habe. So wachse die Gefahr für Seeadler, Rotmilan sowie Schwarz- und Weißstorch, in Rotoren zu geraten.

Windkraftausbau in SH: Landesregierung hat Kriterien aufgeweicht

Auch sonst hat die Regierung bisherige K.o.-Kriterien für Windräder gestrichen oder aufgeweicht, um die Flächenvorgabe des Bundes für den Ausbau der Windenergie zu erfüllen. So sollen künftig auch Anlagen in Landschaftsschutzgebieten, an Straßen und nahe Hochspannungsmasten möglich sein. Zudem möchte die Regierung die Mindestabstände etwa zu Wäldern, Naturschutzgebieten und Deichen verringern.

Lesen Sie auch

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Windpläne können sich noch ändern. In den nächsten Monaten (vom 25. Juni bis zum 9. September) können Bürger und Verbände sich zum Entwurf des Landesentwicklungsplans äußern. Der Rahmenplan soll Anfang 2025 in Kraft treten. Fast zeitgleich wird im Innenministerium an neuen Regionalplänen gearbeitet. Die Entwürfe sollen Ende 2024 vorliegen und die Vorranggebiete präzise festlegen.