Unterstützt Norwegen Dänemark bald bei der Überwachung Grönlands?
Grönland bestimmt derzeit nicht mehr die internationalen Schlagzeilen. Gelöst ist der Konflikt rund um die rohstoffreiche Insel am Rande der Arktis jedoch noch längst nicht. Schließlich haben US-Präsident Donald Trump und sein Vize J.D. Vance Dänemark wiederholt vorgeworfen, viel zu wenig für Grönlands Sicherheit zu tun. Die Insel solle daher unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten gebracht werden – für die „nationale und internationale Sicherheit“, so Trump.
Dänemark hat daher bereits zu Beginn des Jahres angekündigt, massiv aufzurüsten. Milliarden sollen in die Verteidigung fließen und neue Patrouillenboote sowie Langstreckendrohnen angeschafft werden. Zudem will das Königreich enger mit seinen nordischen Partnern in Fragen der Sicherheitspolitik zusammenarbeiten. In diesem Zuge haben Dänemarks Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen und sein norwegischer Amtskollege Tore O. Sandvik am Donnerstag ein bilaterales Verteidigungsabkommen unterschrieben.
Flugzeuge können gut russische U-Boot-Aktivitäten überwachen
Dem Abkommen wird eine hohe Bedeutung beigemessen: Nach Informationen des dänischen Fernsehsenders TV2 soll es dem Einsatz norwegischer F-8 Poseidon-Flugzeuge im Luftraum über Grönland den Weg bahnen. Dabei handelt es sich um die weltweit modernsten Seeüberwachungsflugzeuge. Norwegen verfügt über fünf dieser Maschinen, um damit die Aktivitäten russischer U-Boote in der Barentssee zu verfolgen.
Es ist richtig, dass Norwegen und Dänemark bei der Überwachung des hohen Nordens enger zusammenarbeiten werden.
Tore O. Sandvik,
Verteidigungsminister Norwegens
Offiziell bestätigt wird der mögliche Einsatz der F-8 über Grönland bisher jedoch nicht: „Es ist richtig, dass Norwegen und Dänemark bei der Überwachung des hohen Nordens enger zusammenarbeiten werden“, erklärte Norwegens Verteidigungsminister Sandvik gegenüber dem Sender NRK. Das Ziel müsse sein, zu einer „Stärkung der gesamten nordischen Verteidigungsfähigkeit in Nordeuropa beizutragen“.
Auch Poulsen hob am Donnerstag die Bedeutung der nordischen Verteidigungszusammenarbeit hervor: „Gemeinsam werden die nordischen Länder einen Beitrag zur kollektiven Verteidigung und Abschreckung der Nato in unserer eigenen Region und im Verantwortungsbereich des Bündnisses im Allgemeinen leisten“, sagte der dänische Verteidigungsminister.
Er wünscht sich schon seit Längerem den Einsatz der Überwachungsflugzeuge. Anfang des Jahres sagte er der Zeitung „Politiken“, sein Land müsse F-8-Maschinen nicht zwingend selbst besitzen, weil man mit Norwegen kooperieren könne.
EU will in Grönland künftig Graphit abbauen
US-Präsident Trump hatte den Anspruch auf das rohstoffreiche Grönland zudem mit wirtschaftlichen Interessen seines Landes begründet. Die grönländische Regionalregierung in Nuuk, die perspektivisch eine Unabhängigkeit von Kopenhagen anstrebt, zeigt sich grundsätzlich offen für Geschäfte mit US-Firmen. Konkrete Pläne scheint es hier bisher aber nicht zu geben. Unterdessen treibt die EU jedoch ein Projekt voran, mit dem künftig Graphit in Grönland abgebaut werden soll.
Stéphane Séjourné, Exekutiv-Vizepräsident der Europäischen Kommission, kündigte am Mittwoch in Brüssel an, dass der Abbau des Minerals in Grönland die Staatengemeinschaft wettbewerbsfähiger und unabhängiger machen werde. Parallel dazu verfolge man auch in zwölf anderen Ländern außerhalb der EU Vorhaben mit der entsprechenden Zielsetzung, so Séjourné.
Mette Frederiksen: „Voller Bewunderung für das grönländische Volk“
Zu Beginn der Woche hatte auch die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bei einer Parlamentsdebatte in Kopenhagen die Bereitschaft der Zentralregierung erklärt, künftig mehr in Grönland zu investieren. „Wir sind bereit, die Zusammenarbeit zu verstärken“, sagte die Regierungschefin im Folketing. Einer Reform des Selbstverwaltungsgesetzes stehe man nicht im Wege, um Nuuk weitere Kompetenzen zu übertragen.
„Ich bin voller Bewunderung für das grönländische Volk, für die enorme Stärke, die es im vergangenen halben Jahr gezeigt hat“, sagte Frederiksen mit Blick auf die angespannte Situation mit den USA.
Erst Ende Mai hatten die Regierungschefs aller nordeuropäischen Länder der grönländischen Regionalregierung demonstrativ den Rücken gestärkt. Sie sagten dem Chef der Insel-Selbstverwaltung, Jens-Frederik Nielsen, beim Gipfeltreffen des Nordischen Rats im finnischen Turku ihre enge Unterstützung zu.
Nielsen ist seit Anfang April im Amt, nachdem seine liberale Partei die vorgezogene Parlamentswahl auf Grönland gewonnen hatte.