Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Tumult im Kleingartenverein Buntekuh
Lokales Lübeck Tumult im Kleingartenverein Buntekuh
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
21:45 27.06.2018
Der Gartenzwerg kann nichts dafür: Im Kleingartenverein Buntekuh ist die Stimmung am Boden. Bei einer Mitgliederversammlung ist die Situation eskaliert. Der Verein will die Hälfte der Flächen an die Stadt zurückgeben, weil viele Lauben leer stehen. Quelle: Foto: Felix König
Anzeige
Buntekuh

Ein Abend, zwei Sichtweisen. Einer versucht das Ganze neutral zu betrachten. „Es war schon sehr interessant“, sagt Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD). Er war als Gast zur Mitgliederversammlung des Kleingartenvereins Buntekuh eingeladen. Er sollte Fragen beantworten, wenn die Pächter welche haben. Der Verein ist knapp an der Insolvenz vorbeigeschrammt, weil von 750 Lauben 320 verlassen sind. Jetzt soll die Hälfte des Areals an die Stadt zurückgegeben werden. Die würde dort das angrenzende Gewerbegebiet erweitern. So weit, so gut. Doch Fragen wurden an Schindler nicht gestellt.

Denn: Der Vorstand beendete die Versammlung, noch bevor sie startete. Der Grund: Nur Pächter sollten Zutritt zur Aula des Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasiums erhalten. Das heißt: Die Ehepartner mussten draußen bleiben. Das sorgte für Ärger zwischen den Pächtern und dem Vorstand. Soweit deckt sich die Darstellung beider Seiten. Die Schuld für die Eskalation des Abends indes sieht jede Seite bei der jeweils anderen.

Anzeige

Die Pächter sind stinksauer: „Da war richtig Rambazamba in der Bude“, bringt es Gartenpächter Detlef Brennecke (51) auf den Punkt. „Der Vorsitzende hat sich unmöglich aufgeführt“, sagt Ehefrau Gabriele. Er habe alle Nicht-Pächter des Saales verwiesen. „Es sollte nichts an die Öffentlichkeit dringen“, sagt die 53-Jährige. „Da war richtig Stimmung“, sagt auch Walter Hagelstein. Der 69-Jährige schüttelt den Kopf über das Vorgehen. „Meine Frau und ich bewirtschaften beide den Garten und zahlen beide die Pacht.“ Warum sie nicht mit in die Versammlung dürfe, habe er gefragt. Es gehe immerhin um die Zukunft des Kleingartens. „Ich habe darauf keine Antwort bekommen.“

Die Sache wurde hitzig. Lautstark forderte einer den Rücktritt des Vorsitzenden Thorsten Wildner. Dafür gab es kräftig Applaus. Nachdem Wildner vier Mal die Nicht-Pächter aufforderte, die Aula zu verlassen – sie aber blieben –, beendete er die Versammlung.

Der Vorstand ist ebenfalls verärgert. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass da einige richtig Tumult machen wollten“, sagt Wildner. So seien sie schon zu der Veranstaltung gekommen. Nur Pächter hätten Zutritt zu einer Mitglieder-Versammlung. „So steht es in der Satzung – und so steht es auch in der Einladung“, sagt Wildner. Denn es sollte abgestimmt werden, ob der Verein die Hälfte der Flächen an die Stadt zurückgibt. Hans-Dieter Schiller, Chef des Kleingärtnerverbands, gibt ihm Recht. Er war an dem denkwürdigen Abend ebenfalls anwesend. „Bei der Abstimmung hätten wir nicht sagen können, wer Pächter ist und wer nicht“, verteidigt er das Vorgehen. Das Ergebnis hätte im Nachhinein angezweifelt werden können. Schiller ist erzürnt: „Man kann uns nicht als Lügner und Totengräber bezeichnen.“

Das Problem: Jetzt ist völlig unklar, wie es weitergeht. Die Unsicherheit teilen Vorstand und Pächter. „Wir hängen total in der Luft“, sagt Wildner. Er bekleidet das Amt seit einem Jahr. Der zweite Vorsitzende ist abgesprungen. Eigentlich sollte ein Nachfolger gewählt werden, doch dazu kam es nicht. Und vor allem: „Bei uns stehen 320 Parzellen leer“, sagt Wildner. Die Pacht dafür muss der Verein dennoch aufbringen – und an den Kreisverband überweisen; der zahlt wiederum an die Stadt, der die Flächen gehören. Denn der Kreisverband ist Generalpächter für alle 26 Kleingartenvereine in der Stadt. „Wo sollen wir das Geld hernehmen?“, fragt Wildner ratlos.

Doch auch die Pächter wissen nicht weiter. „Wir stehen vollkommen auf dem Schlauch“, sagt Hagelstein. Er und seine Frau haben seit sechs Jahren einen Garten. Sollten die Flächen an die Stadt gegeben werden, wäre er kompromissbereit. „Wir würden innerhalb der Anlage auch umziehen.“ Das würden Detlef und Gabriele Brennecke nicht tun. Sie haben seit 21 Jahren ein Laube. Erst vor vor ein paar Jahren sind sie in eine kleinere Parzelle gezogen und haben alles schick gemacht. Detlef Brennecke: „Jetzt würden wir das nicht noch einmal tun.“

Und was sagt Schiller? „Buntekuh muss auf jeden Fall Flächen abgeben.“ Er werde jetzt mit der Stadt sprechen – und dann noch einmal einen Vorschlag machen. Das dauert aber noch Monate.

Von Josephine von Zastrow